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In Erinnerung an .......


Heinrich Rust
Am 25. April 2015 verstarb Heiner Rust im Alter von 90 Jahren.

 

Er gehörte zu den Männern der ersten Stunde, die nach dem 2. Weltkrieg die Grundlagen für eine großflächige Arznei- und Gewürzpflanzenproduktion in Deutschland entwickelt haben.


Heiner (Heinrich) Rust wurde am 1.1. 1925 auf Rittergut Zinnberg bei Penig/Sachsen als Sohn eines Landwirtschaftsinspektors geboren. Kindheit und Jugend verbrachte er in Düsseldorf-Garat auf einem rheinischen Gutsbetrieb. Nach Abitur in Düsseldorf (Studienwunsch Biologie), Militärdienst und Kriegsgefangenschaft kehrte er 1946 auf den elterlichen Pachtbetrieb nach Burkersdorf bei Schmölln in Thüringen zurück. Der gepachtete Betrieb wurde 1955 wegen "Republikflucht der Eigentümer" enteignet und der LPG Untschen übergeben. Rust arbeitete in der LPG als Produktionsleiter und begann 1955 mit dem Anbau von Arznei- und Gewürzpflanzen mit der Zielstellung, durch Konzentration und Spezialisierung eine wirtschaftlich arbeitende Produktionseinheit aufzubauen. Die konsequente Entwicklung des Arznei- und Gewürzpflanzenanbaus als Schwerpunkt stieß angesichts der Engpässe in der Nahrungsmittelversorgung bei den Behörden nicht immer auf Gegenliebe ("Mit Fleisch und Butter macht man Politik und nicht mit Kräutern!"). Im Herbst 1961 wurde Rust verhaftet und unter Anklage gestellt mit der Begründung "Fortgesetzte Diversion im besonders schweren Falle, staatsgefährdende Hetze, Spionage und Sabotage". Im Rahmen eines Gerichtsverfahrens am Bezirksgericht Leipzig wurde er nach fast 10 Monaten Haft im August 1962 in allen Punkten der Anklage freigesprochen. Heiner Rust ließ sich jedoch trotz aller anfänglichen Angriffe nicht von seinen Zielstellungen abbringen.


Im Februar 1962 verkündete Ulbricht das "Neue ökonomische System" der DDR, mit dessen Hilfe die Wirtschaft gerettet werden sollte. Die LPG Nöbdenitz erhielt nun von offizieller Stelle den Auftrag, einen Entwicklungsplan zur Einführung des Arznei- und Gewürzpflanzenbaus auf 60 ha zu realisieren. Rust widmete dem Bau einer speziellen Trocknungsanlage von Anfang an besondere Aufmerksamkeit, da deren Kapazität über den Anbauumfang entscheidet. 1962 wurde mit dem Bau der Trocknungsanlage begonnen und in den Folgejahren erfolgte sukzessive deren Optimierung.


Nach Schaffung der erforderlichen Trocknungskapazitäten konnte die Anbaufläche von anfänglich 45 ha auf 100 ha im Jahre 1970,1980 auf 250 ha und 1989 auf 330 ha erweitert werden. Die Spezialabteilung der LPG Nöbdenitz entwickelte sich unter Leitung von Rust zu einem der führenden Betriebe. Zum Spektrum der angebauten Arten gehören Artischocken, Blaue Malve, Dill, Fenchel, Johanniskraut, Kamille, Kümmel, Koriander, Pfefferminze, Ringelblumen, Salbei, Spitzwegerich, Weißdorn, Vitaminrosen und Zitronenmelisse, wobei der Pfefferminzanbau bis in die 90er Jahre die größte Bedeutung hatte. Seit den 70er Jahren widmete sich Heiner Rust besonders der Entwicklung eines technisierten Kamillegroßflächenanbaues mit leistungsfähigen Erntemaschinen, spezieller Trocknung und Nachbearbeitungstechnik. Ferner wirkte er an der Lösung von Problemen der Erzeugung von speziellen Saatgütern mit ( Gräser, Leguminosen, Blumen / Zierpflanzen).


Die anbautechnologischen und technischen Lösungen für die großflächige Arznei- und Gewürzpflanzenproduktion erarbeitete Rust gemeinsam mit Ernst Dubiel, der die Abteilung Arznei- und Gewürzpflanzen des Lehr-und Versuchsgutes Bernburg in Waldau leitete und mit Prof. Dr. Horst Schröder als Vertreter der Wissenschaft. Eine wesentliche Rolle spielte dabei die betriebswirtschaftliche Analyse der Produktionsverfahren. Mit großer Akribie wurden die Kostenbestandteile erfasst und dokumentiert. Die Ergebnisse fanden ihren Niederschlag in den "Produktionsverfahren", den Technologischen Musterkarten der DDR und später in den Ergebnissen eines EU-Forschungsprojektes. Die Datensammlung Heil- und Gewürzpflanzen des KTBL Darmstadt setzt die Dokumentation der Produktionsabläufe in aktueller Form fort.


Auch nach Eintritt in den Rentnerstand im Januar 1990 trug Heiner Rust wesentlich zur weiteren Entwicklung des Fachgebietes bei. Er war 1990 Mitbegründer des Deutschen Fachausschusses für Arznei-, Gewürz- und Aromapflanzen, des Thüringer Interessenverband Heil-, Duft- und Gewürzpflanzen e.V. sowie des Vereins für Arznei- und Gewürzpflanzen Saluplanta e.V. Am 11. Januar 2000 wurde Rust anlässlich seines 75.Geburtstages vom Kreisbauernverband Altenburger Land e.V. für seine Verdienste und sein Lebenswerk mit dem Titel "Förderer der Altenburger Landwirtschaft" geehrt.


Mit Heinrich Rust verlieren wir einen durch seine Geradlinigkeit geachteten Kollegen und einen der innovativsten Experten unseres Fachgebietes. Wir behalten ihn und seine fachlichen Verdienste in dankbarer Erinnerung.


Danke den Autoren Friedrich Pank und Frank Quaas.

 

Thüringer Interessenverband Heil,- Duft und Gewürzpflanzen e.V.
Vorsitzende Birgit Mikus-Pleschner

SALUPLANTA e.V.
Vorsitzender: Dr. Wolfram Junghanns

Kreisbauernverband Altenburg e.V.
Vorsitzender: Berndt Apel

 


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